Ergebnisse der Untersuchung von Bio-Lebensmitteln
Zusammenfassung aus dem Bericht zum Ökomonitoring 2014

Im Jahr 2014 wurden folgende Themenfelder bearbeitet:

  • Gentechnisch veränderte Pflanzen: Untersuchung von Mais- und Sojaprodukten sowie Honig
  • Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und bestimmten Kontaminanten in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs
  • Organische Kontaminanten und Pestizide in Lachs und Milcherzeugnissen aus Schafs- und Ziegenmilch
  • Dioxine und PCB in Hühnereiern, Lachs sowie Milcherzeugnissen aus Schafs- und Ziegenmilch
  • Stabilisotopenverhältnisse des Stickstoffs (δ15N-Wert) als Indikator für die Art der Düngung bei Frischgemüse sowie des Kohlenstoffs (δ13C-Wert) als Indikator für die Art der Futter-grundlage des Milchviehs
  • Mikrobiologie bei Rohmilchkäse
  • Rückstände von Pestiziden bei Baumwolltextilien und gentechnische Veränderungen bei Baumwolle und Baumwollgarnen

 

Nachfolgend findet sich eine Zusammenfassung der Ergebnisse 2014:

Gentechnisch veränderte (GV) Pflanzen [Seite 12]

Gentechnische Veränderungen wurden bei den untersuchten Öko-Lebensmitteln weiterhin sehr selten nachgewiesen. Wie in den Vorjahren war lediglich Soja betroffen. Sowohl der Anteil positiver Proben an der Gesamtprobenzahl als auch deren Verunreinigungsgrad durch gentechnisch veränderte Soja wiederum waren bei Öko-Soja deutlich geringer als bei konventioneller Ware. In Honigen wurden, im Gegensatz zu den Vorjahren, weder bei konventionellen noch bei Öko-Produkten gentechnisch veränderte Bestandteile nachgewiesen.

 

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und bestimmten Kontaminanten in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs [Seite 14]

Wie in den Vorjahren unterscheidet sich ökologisches Obst und Gemüse sehr deutlich von konventionell erzeugter Ware, sowohl bezüglich der Häufigkeit von Rückstandsbefunden als auch der Rückstandsgehalte chemisch-synthetischer Pestizide. Bei etwas mehr als der Hälfte der Proben aus ökologischem Anbau waren keine Rückstände an Pflanzenschutzmitteln nachweisbar. Sofern Rückstände festgestellt wurden, handelte es sich in der Regel nur um Rückstände einzelner Wirkstoffe im Spurenbereich (< 0,01 mg/kg) und damit um Gehalte, die deutlich unterhalb der Konzentrationen liegen, die üblicherweise nach Anwendung entsprechender Wirkstoffe im Erntegut festgestellt werden.

Der mittlere Pestizidrückstandsgehalt in allen untersuchten Obstproben aus ökologischem Anbau lag bei 0,005 mg/kg, wenn alle als ökologisch bezeichneten Proben – auch solche mit irreführender Öko-Kennzeichnung – in die Berechnung einfließen. Er lag bei 0,002 mg/kg, wenn die Berechnung unter Ausschluss der beanstandeten Proben erfolgt; bei diesen besteht der Verdacht, dass es sich um konventionelle Ware oder um einen Verschnitt mit konventioneller Ware handelt. Konventionelles Obst enthielt dagegen im Mittel 0,42 mg Pflanzenschutzmittelrückstände pro kg, und zwar ohne Oberflächenbehandlungsmittel, Phosphonsäure und Bromid, und wies somit im Mittel einen zirka 80-fach höheren Gehalt an Pestiziden auf als Öko-Obst. Bei Gemüse aus ökologischem Anbau lag der mittlere Pestizidrückstandsgehalt bei 0,001 mg/kg. Konventionelles Gemüse enthielt dagegen im Mittel 0,32 mg Pflanzenschutzmittelrückstände pro kg (ohne Bromid und Fosetyl) und wies somit im Mittel einen zirka 320-fach höheren Gehalt an Pestiziden auf als Öko-Gemüse.

Beanstandungen waren im Berichtsjahr 2014 bei insgesamt 3 Proben frischem Öko-Obst zu verzeichnen. Bei diesen Proben (Äpfel aus Deutschland und Äpfel unbekannter Herkunft sowie Pfirsiche aus Spanien) wurde die Bezeichnung „Öko“ wegen erhöhter Rückstände an Pflanzenschutzmitteln als irreführend beurteilt. Bei frischem Öko-Gemüse war keine Probe zu beanstanden. Die gültigen Höchstmengen nach Verordnung (EG) Nr. 396/2005 wurden bei allen Proben eingehalten. Insgesamt hat sich die Beanstandungsquote in den letzten Jahren bei allen frischen Öko-Erzeugnissen auf einem niedrigen Stand stabilisiert: 1,3 % in 2014, 2,8 % in 2013, 4,2 % in 2012, 2,1 % in 2011 und 1,3 % in 2010.

Bei verarbeiteten Erzeugnissen aus ökologischem Anbau lag die Beanstandungsquote mit 2,9 % knapp doppelt so hoch wie bei frischen Erzeugnissen (1,3 %). In den beiden Jahren zuvor lag sie mit 3,5 % und 3,4 % auf einem ähnlichen Niveau, aber deutlich niedriger als die Quoten der Jahre 2011 (8,1 %) und 2010 (6,3 %). Zu beachten ist hierbei allerdings, dass bei verarbeiteten Öko-Erzeugnissen von Jahr zu Jahr unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und auch kurzfristig gezielte Projekte durchgeführt werden. Die Beanstandungsquote bei verarbeiteten Öko-Erzeugnissen ist somit von Jahr zu Jahr nur bedingt vergleichbar. Darüber hinaus müssen bei diesen Erzeugnissen zum Teil auch gültige Verarbeitungsfaktoren für die jeweiligen Wirkstoffe mit einbezogen werden, da es bei der Verarbeitung der frischen Urprodukte zu einer Verminderung beziehungsweise Erhöhung der Rückstände kommen kann. Beanstandungen waren im Jahr 2014 nur bei einer Probe Obsterzeugnisse (Sauerkirschen im Glas) und einer Probe Getreideerzeugnisse (Roggenvollkornbrot) zu verzeichnen. Bei diesen Proben wurde die Bezeichnung „Öko“ wegen erhöhter Rückstände an Pflanzenschutzmitteln als irreführend beurteilt. Die gültigen Höchstmengen nach Verordnung (EG) Nr. 396/2005 wurden bei allen Proben eingehalten.

Die Ergebnisse zu Rückstandsdaten der Wirkstoffe und Kontaminanten Phosphonsäure, Chlorat und Perchlorat wurdenseparat ausgewertet, da diese aufgrund ihrer Besonderheiten in Vorkommen, Anwendung und Analytik oder weil es sich um neue Problemstellungen handelt, eine gesonderte Betrachtung erfordern.

 

Organische Kontaminanten, Pflanzenschutzmittel und Biozide in Lebensmitteln tierischer Herkunft [Seite 25]

Die Belastung mit chlororganischen Kontaminanten und Nitromoschusverbindungen ist in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Seit den 1970er Jahren existieren für viele dieser Verbindungen Verwendungsverbote.

Auch die Belastung mit bromierten organischen Kontaminanten ist gering, obwohl die Anwendung dieser Verbindungen teilweise erst seit wenigen Jahren reglementiert ist. Die Ergebnisse des diesjährigen Ökomonitorings bestätigen dies. In Lachs und Milcherzeugnissen aus Schafs- und Ziegenmilch konnten hauptsächlich Rückstände ubiquitär vorkommender persistenter Verbindungen nachgewiesen werden, die immer noch über die Umweltkontamination in die Nahrungskette gelangen. Die gefundenen Gehalte, insbesondere die der Milcherzeugnisse aus Schafs- und Ziegenmilch, liegen weit unterhalb der gesetzlich festgelegten Höchstmenge.

Im Berichtsjahr 2014 wurde ein besonderes Augenmerk auf die quartären Ammoniumverbindungen (QAV) Benzalkoniumchlorid (BAC) und Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC) gelegt. Wie die Auswertungen der beiden Lebensmittelgruppen tierischer Herkunft zeigen, ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen ökologisch und konventionell erzeugten Produkten. QAV-Rückstände traten fast ausschließlich bei konventionell erzeugten Produkten auf. Lachse wurden außerdem auf das Vorhandensein von Ethoxyquin und das dazugehörige Dimer überprüft. Auffällig waren die Befunde in allen Proben von konventionell erzeugtem Lachs. In ökologisch erzeugtem Lachs wurde nur bei einer der 13 untersuchten Biolachsproben Ethoxyquin nachgewiesen. In der untersuchten Wildlachsprobe war kein Ethoxyquin nachweisbar.

 

Dioxine und PCB in Lebensmitteln

Dioxine und PCB sind chlororganische Verbindungen und zählen in der Umwelt zu den besonders persistenten Stoffen. Dioxine sind giftig und können dosisabhängig toxische Wirkungen entfalten. Sie sind weltweit verbreitet und reichern sich, bedingt durch ihre hohe Fettlöslichkeit, im Fettgewebe von Tieren und Menschen an. Daher ist es aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes besonders wichtig, diese Stoffe in Lebensmitteln permanent zu überwachen, um die Dioxin- und PCB-Exposition des Menschen langfristig auf niedrigem Niveau zu halten.

Im Rahmen des Ökomonitorings wurden im Jahr 2014 insgesamt 141 Proben Hühnereier, Lachs sowie Milcherzeugnisse aus Schafs- und Ziegenmilch auf ihre Gehalte an Dioxinen, dioxinähnlichen PCB (dl-PCB) und Indikator-PCB untersucht. Lediglich in einer der insgesamt 70 Proben Hühnereier wurde ein Dioxingehalt festgestellt, der unter Berücksichtigung der erweiterten Messunsicherheit oberhalb des gültigen Höchstgehaltes lag. Darüber hinaus wurden keine Höchstgehaltsüberschreitungen festgestellt. Eine Probe Hühnereier überschritt unter Berücksichtigung der erweiterten Messunsicherheit den für Dioxine gültigen Auslösewert. In einer weiteren Probe Hühnereier lag eine numerische Überschreitung des Auslösewertes für dl-PCB vor. Sämtliche 39 Proben Lachs wiesen unter Berücksichtigung der erweiterten Messunsicherheit Dioxin- und PCB-Gehalte unterhalb der zulässigen Höchstgehalte und Auslösewerte auf. Alle 32 Proben Milcherzeugnisse aus Schafs- und Ziegenmilch wiesen Gehalte an Dioxinen und PCB unterhalb der festgesetzten Höchstgehalte auf. In einer Probe Ziegenfrischkäse und einer Probe Ziegenjoghurt wurde eine numerische Überschreitung des Auslösewertes für dl-PCB festgestellt.

Bei den Untersuchungen im Berichtsjahr wurden in über 95 % der untersuchten Proben Gehalte an Dioxinen und PCB unterhalb der geltenden Höchstgehalte und Auslösewerte festgestellt. In allen 3 untersuchten Lebensmittelgruppen – Hühnereier, Lachs und Milcherzeugnisse aus Schafs- und Ziegenmilch – wurden bei Proben aus ökologischer Erzeugung tendenziell höhere Gehalte an Dioxinen und PCB festgestellt als in Proben aus konventioneller Erzeugung. Die Belastung von Lebensmitteln mit Dioxinen und PCB hängt stark von der jeweiligen Umweltbelastung ab, die durch die Art der Erzeugung – konventionell oder ökologisch – nur bedingt beeinflussbar ist. Ebenso gering sind die Einflussmöglichkeiten der Erzeuger auf die Höhe der Gehalte an Kontaminanten. Eine ausführliche Darstellung aller Untersuchungsergebnisse sowie eine differenzierte Darstellung der Rückstandsgehalte bei Hühnereiern in Abhängigkeit von der Haltungsform (Freiland- oder Bodenhaltung) findet sich in einem » aktuellen Internetbeitrag des CVUA Freiburg.

 

Echtheitsüberprüfung mithilfe der Stabilisotopen-Analytik [Seite 28]

Die Besonderheit von Öko-Produkten liegt in der Prozessqualität, das heißt in der Art und Weise, wie diese Produkte hergestellt werden. Die Regeln dafür sind in entsprechenden Rechtsvorschriften der EU für den ökologischen Anbau festgelegt und bilden den Kern der Öko-Kontrollen. Ergänzend dazu sind valide analytische Verfahren, die Falschdeklarationen aufdecken können, für die Überprüfung der Echtheit von Öko-Lebensmitteln besonders wichtig. Als vielversprechende Methode zur Unterscheidung von ökologisch und konventionell erzeugten Produkten hat sich der Ansatz der Stabilisotopen-Analytik erwiesen. Im Rahmen des Ökomonitorings sowie im Zuge eines durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg geförderten Forschungsprojektes wurde hierzu ein Untersuchungsprogramm mit dem Ziel durchgeführt, die Einhaltung der Rechtsvorschriften der EU zum Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger im ökologischen Landbau zu überprüfen und dadurch fälschlicherweise als „bio“ oder „öko“ deklarierte Produkte zu erkennen. Die Stabilisotopen-Analytik kann Hinweise auf die bei Ökoprodukten unzulässige Verwendung von mineralischem Stickstoffdünger geben.

Als geeignete Parameter zur analytischen Differenzierung von ökologisch und konventionell erzeugter Milch hat sich die Kombination des ermittelten Kohlenstoff-Stabilisotopenverhältnisses (δ13C-Wert) und des α-Linolensäuregehaltes des Milchfettes erwiesen. Je nach Futtergrundlage des Milchviehs variieren diese Messwerte unterschiedlich stark. Aufbauend auf den Ergebnissen eines durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg geförderten Forschungsprojektes konnten im Jahr 2014 im Rahmen des Ökomonitorings 64 Milchproben (35 Öko, 29 konventionell) untersucht werden. Keine der untersuchten Öko-Milchproben zeigte hierbei auffällige Werte.

 

Mikrobiologie [Seite 30]

Rohmilchkäse, insbesondere aus ökologischer Herstellung, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Gesundheitsschädliche Keime können über die Rohmilch, die keinem keimabtötenden Verfahren unterworfen wird, und/oder bei der Käseherstellung in das Lebensmittel gelangen.

Die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Baden-Württembergs haben im Jahre 2014 insgesamt 65 Rohmilchkäse mikrobiologisch auf gesundheitsschädliche Keime und Hygieneindikator-Keime untersucht. Dabei handelte es sich um 34 Rohmilchprodukte aus ökologischer Herstellung und 31 aus konventionellen Betrieben. Die Öko-Käse stammten zu 76 % aus Deutschland, die Käse aus konventioneller Herstellung zu 48 %. Die restlichen Käse wurden in angrenzenden EU-Staaten, wie Frankreich, Österreich und der Schweiz produziert. Lediglich in 2 Rohmilchkäseproben aus konventioneller Herkunft wurden gesundheitsschädliche Keime nachgewiesen, die beim Menschen Krankheiten auslösen können. Die übrigen Käseproben waren mikrobiologisch unauffällig.

 

Textilien [Seite 31]

Im Berichtsjahr wurden in Baden-Württemberg insgesamt 23 Proben Baumwolltextilien, unter anderem T-Shirts, Babykleidung, Unterwäsche und Nachtwäsche, auf Pestizide untersucht. Erfreulicherweise wurden Pflanzenschutzmittel- und Biozidrückstände nur in geringen Mengen nachgewiesen.

Neben der Pestiziduntersuchung wurden Baumwolle und Baumwollgarne auch auf gentechnische Veränderungen überprüft. Denn 70 Prozent der weltweit angebauten Baumwolle ist gentechnisch verändert. In 4 von 9 Proben weitgehend unverarbeiteter Rohbaumwolle (Pflückbaumwolle), die als Bio-Baumwolle deklariert waren, wurde GV-Baumwolle nachgewiesen. Alle Bio-Baumwollproben mit nachweisbaren gentechnischen Veränderungen waren indischer Herkunft. Bei „Bio“- oder „Öko“-Textilien wird Gentechnik allerdings nicht erwartet. So schließen internationale Standards für die Verarbeitung von Textilien in ihren Richtlinien die Verwendung von GV-Baumwolle aus.