Verbraucherschutzminister Alexander Bonde MdL: „Die Ergebnisse sprechen für sich: Bio überzeugt.“
Der Verbraucher hat heutzutage in nahezu allen Produktbereichen des Lebensmittelangebots die Möglichkeit, sich für ökologisch erzeugte Lebensmittel zu entscheiden. Die Stärkung regionaler Erzeugungsstrukturen und des Öko-Landbaus sind der Landesregierung ein wichtiges Anliegen, denn für viele Menschen sind Bio-Lebensmittel von großem Interesse. Die Nachfrage nach Lebensmitteln aus ökologischer Erzeugung übersteigt die einheimisch erzeugten Mengen bei weitem, was zu einem steigenden Anteil an Importwaren führt. Die Rolle Baden-Württembergs bei der ökologischen Erzeugung ist also noch ausbaufähig.
Lebensmittel müssen einwandfrei, sicher und richtig gekennzeichnet sein. Das gilt insbesondere auch für Lebensmittel aus ökologischem Anbau. Die Vorgaben des ökologischen Anbaus und der Verarbeitung müssen erfüllt und eingehalten werden.
Das baden-württembergische Ökomonitoring ist daher auch ein Beitrag zur Transparenz. Die Menschen sollen durch ihr Kaufverhalten über das Marktangebot abstimmen können. Sie müssen daher über Produkte und Hersteller gut informiert sein. Wo „Bio” draufsteht, muss auch „Bio” drin sein.
Vor diesem Hintergrund ist es uns wichtig, dieses spezielle Untersuchungsprogramm in Baden-Württemberg fortzusetzen, um eine kontinuierliche Statuserhebung ökologisch erzeugter Lebensmittel durchzuführen und Verbrauchertäuschungen zu unterbinden. Dieses baden-württembergische Überwachungsprogramm ist bundesweit einmalig. Auch aus anderen europäischen Ländern ist Vergleichbares nicht bekannt. Die vier Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUAs) führen dieses Projekt durch, in enger Zusammenarbeit mit der Öko-Kontrollbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe. Für Koordination und Bericht ist das CVUA Stuttgart zuständig.
Im vergangenen Jahr wurden in Baden-Württemberg im Rahmen des Ökomonitoring-Programms über 700 Lebensmittelproben mit Öko-Auslobung auf eine Vielzahl an Parametern untersucht und begutachtet. Sie wurden auch mit entsprechender Ware aus konventioneller Produktion verglichen. Entsprechend dem sich stetig verbreiternden Warenangebot wurden neben landwirtschaftlichen Urprodukten verstärkt verarbeitete Lebensmittel einbezogen. Ergänzend wurde die Produktpalette mit 34 Proben auf Naturkosmetik ausgedehnt. Die Lebensmittelkontrolleure der Stadt- und Landkreise haben die Proben auf allen Stufen der Herstellung und des Handels erhoben.
Die Ergebnisse sprechen für sich: Bio überzeugt.
Im Jahr 2010 wurden folgende Themenfelder bearbeitet:
- Gentechnisch veränderte Pflanzen: Untersuchung von Mais- und Sojaprodukten sowie Leinsamen
- Mykotoxine: Fusarientoxine in Mais- und Hafererzeugnissen
- Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs
- Wein: Elemente und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln
- Herstellungsbedingte Kontaminanten: Furan in Kaffee
- Zusatzstoffe: Glutaminsäure in Fertiggerichten und Farbstoffe in Süßwaren
- Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln
- Organische Kontaminanten und Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln tierischer Herkunft
- Stabilisotopenverhältnisse des Stickstoffs (15N/14N) als Indikator für die Art der Düngung bei pflanzlichen Lebensmitteln
- Kosmetische Mittel (Naturkosmetik): Mikrobiologie und Konservierungsstoffe
Zusammenfassung
Gentechnisch veränderte Pflanzen
Gentechnische Veränderungen sind als Verunreinigung von Bio-Lebensmitteln weiterhin nur selten festzustellen. Proben von Bio-Mais und Bio-Leinsamen enthielten jeweils keine gentechnisch veränderten Bestandteile. In Soja-Erzeugnissen aus ökologischem Landbau war zwar vereinzelt zugelassene gentechnisch veränderte Soja nachweisbar, im Gegensatz zu konventioneller Ware handelte es sich jedoch ausschließlich um sehr geringe Spuren.
Mykotoxine
Der Befall mit Schimmelpilzen stellt auf nahezu allen Stufen der Erzeugung von Lebens- und Futtermitteln ein Problem dar. In Abhängigkeit von einer Vielzahl äußerer Bedingungen bilden bestimmte Pilze Stoffwechselprodukte, die in verschiedenster Weise den menschlichen und tierischen Organismus schädigen können.
Relativ breit gestreut ist die Mykotoxinbelastung von Getreide; Mais und Hafer sind in besonderer Weise betroffen.
Bei Mais spielen die Fumonisine B1 und B2, Zearalenon und Deoxynivalenol eine Rolle, bei Hafer Deoxynivalenol sowie T2- und HT-2-Toxin. Die erstmals in das Untersuchungsspektrum aufgenommenen Toxine Beauvericin und Enniatin A, A1, B und B1 konnten ebenfalls relativ häufig in Hafer- und Haferprodukten bestimmt werden.
Da die ausgewählten Maiserzeugnisse nur zu einem geringen Teil aus ökologisch erzeugten Rohstoffen stammten, ist ein Vergleich nur eingeschränkt möglich. Bei Fumonisinen und Zearalenon lagen die Gehalte der konventionellen Erzeugnisse deutlich höher als bei den wenigen Produkten auf ökologischer Basis, ein relativ hoher Deoxynivalenol-Gehalt eines Öko-Produktes kehrte die Situation bei diesen Toxin um. Bei paritätischer Beprobung beider Erzeugnisgruppen wäre hier jedoch ebenfalls ein Vorteil der Öko-Produkte zu erwarten.
Hafer und Hafererzeugnisse lagen in etwa vergleichbarer Anzahl vor, so dass die Tendenz klar zu erkennen ist. Bei T2-Toxin und bei HT-2-Toxin sind die Körner und Mühlenprodukte ökologischen Ursprungs wesentlich geringer belastet als die konventionellen Produkte. Deoxynivalenol war in beiden Gruppen in vergleichbarer Häufigkeit und vergleichbaren Größenordnungen zu finden. Allerdings stammt auch hier der höchste Gehalt aus einem Bio-Produkt.
Eindeutig ist der Unterschied bei Beauvericin und den Enniatinen. Sowohl nach Häufigkeit als auch in der Größenordnung verbuchen die Öko-Produkte insgesamt den Vorteil der geringeren Belastung für sich. Bei Enniatin B und B1 ist die Häufigkeit vergleichbar groß.
Überschreitungen von Höchstgehalten bei Fumonisinen, Zearalenon und Deoxynivalenol traten bei den durchgeführten Projekten nicht auf. T2- und HT-2-Toxin sind trotz jahrelanger Diskussionen noch immer nicht geregelt; für Beauvericin und die Enniatine sind noch keine Überlegungen bekannt.
Im ökologischen Anbau wird der Befall mit Fusarienpilzen und deren toxischen Stoffwechselprodukten durch pflanzenbauliche Maßnahmen wie Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Sortenwahl offensichtlich in geringen Grenzen gehalten.
Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs
Wie in den Vorjahren unterscheidet sich ökologisches Obst und Gemüse sehr deutlich von konventionell erzeugter Ware, sowohl bezüglich der Häufigkeit von Rückstandsbefunden als auch der Rückstandsgehalte von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Bei der überwiegenden Anzahl an Proben aus ökologischem Anbau waren keine Rückstände an Pflanzenschutzmitteln nachweisbar. Sofern Rückstände festgestellt wurden, handelte es sich in der Regel nur um Rückstände einzelner Wirkstoffe im Spurenbereich (weniger als 0,01 mg/kg) und damit um Gehalte, die deutlich unterhalb der Konzentrationen liegen, die üblicherweise nach Anwendung entsprechender Wirkstoffe im Erntegut festgestellt werden.
Der mittlere Gehalt an Pflanzenschutzmittelrückständen in allen untersuchten Obstproben aus ökologischem Anbau lag bei 0,003 mg/kg, wenn alle als ökologisch bezeichneten Proben (auch solche mit irreführender Öko-Kennzeichnung) in die Berechnung einfließen. Er lag bei 0,002 mg/kg, wenn die Berechnung unter Ausschluss der beanstandeten Proben erfolgt, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um konventionelle Ware oder um einen Verschnitt mit konventioneller Ware handelt. Konventionelles Obst enthält dagegen im Mittel 0,34 mg Pflanzenschutzmittelrückstände pro kg (ohne Oberflächenbehandlungsmittel).
Bei Gemüse aus ökologischem Anbau lag der mittlere Pestizidgehalt bei 0,003 mg/kg, wenn alle als ökologisch bezeichneten Proben in die Berechnung einfließen. Der mittlere Pestizidgehalt lag ebenfalls bei 0,003 mg/kg, wenn die Berechnung unter Ausschluss der beanstandeten Proben erfolgte, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um konventionelle Ware oder um einen Verschnitt mit konventioneller Ware handelt. Konventionelles Gemüse enthält dagegen im Mittel 0,36 mg an Pflanzenschutzmittelrückständen pro kg (ohne Bromid).
Im Berichtsjahr 2010 war, wie bereits im Jahr 2009, keine Häufung von Beanstandungen bei Öko-Frischware zu verzeichnen und auch keine Auffälligkeiten bei einzelnen Kulturen auszumachen. In den Jahren davor waren immer wieder punktuell Auffälligkeiten bei bestimmten Kulturen aufgetreten: Herbizide bei italienischem Brokkoli und italienischen Karotten, das Fungizid Fosetyl bei Gurken verschiedener Herkunft, aber auch Rückstände von Oberflächenbehandlungsmitteln bei Zitrusfrüchten und Keimhemmungsmitteln bei Kartoffeln. Diese Auffälligkeiten sind aber mittlerweile nicht mehr vorhanden. Die Beanstandungsquote hat sich insgesamt bei allen frischen Erzeugnissen mit Hinweis auf den ökologischen Landbau auf dem schon im Jahr 2009 erfreulich niedrigen Stand stabilisiert: 1,3 % in 2010, 1,0 % 2009, 4,9 % 2008, 7,5 % 2007, 4,9 % 2006 und 8,4 % 2005. Beanstandungen waren im Berichtsjahr 2010 nur bei insgesamt drei Proben frischem Öko-Obst und einer Probe frischem Öko-Gemüse zu verzeichnen. Bei diesen vier Proben (Kopfsalat aus Italien, Äpfel aus Argentinien, Avocado aus Peru und Kiwi unbekannter Herkunft) musste die Bezeichnung „Öko“ aufgrund deutlicher Mengen an Pflanzenschutzmittelrückständen als irreführend bezeichnet beurteilt werden.
Bei verarbeiteten Erzeugnissen lag die Beanstandungsquote mit 6,3 % deutlich über dem Wert bei frischen Erzeugnissen und auch deutlich über der Quote von 2009 (1,4 %). Auffällig bei den verarbeiteten Erzeugnissen im Berichtsjahr 2010 waren vor allem Weine (acht Beanstandungen) und Tiefkühlobst (drei Beanstandungen).
Wein
Das Thema Öko und Bio hat seit einigen Jahren auch im Weinbereich, wenn auch anteilmäßig noch auf überschaubarem Niveau, über alle Vertiebskanäle Fuß gefasst. Die Kupfergehalte von Wein aus Trauben aus ökologischem Anbau und Wein aus Trauben aus konventionellem Anbau wurden gegenübergestellt. Die Weine stammten aus dem Anbaugebiet Württemberg und Baden. Zum Vergleich unterschiedlicher Herkünfte wurden einzelne Weine aus Italien und Spanien untersucht.
Acht Wein-Proben von insgesamt 67 Proben Wein aus ökologischer Erzeugung mussten im Berichtsjahr aufgrund Rückständen an Pflanzenschutzmitteln beanstandet werden. Da es bei der Verarbeitung der eingesetzten Keltertrauben zu einer Verminderung der Rückstände kommen kann, wurden für die Beurteilung der untersuchten Weinen auch die für die Weinbereitung gültigen Verarbeitungsfaktoren für die jeweiligen Wirkstoffe mit einbezogen.
Herstellungsbedingte Kontaminanten: Furan in Kaffee
Die zwischen 2008 bis 2010 untersuchten gerösteten und gemahlenen Bio-Kaffees wiesen im Mittel 2346 µg/kg Furan auf, die „nicht-Bio-Kaffees“ 2769 µg/kg. Damit kann ein geringer Unterschied dahingehend festgestellt werden, dass Bio-Ware etwas weniger Furan enthält. Allerdings ist bei Bio-Kaffees im Laufe der letzten drei Jahre ein Anstieg des Furan-Medianwertes zu verzeichnen. So enthielten Bio-Kaffees in den beiden Jahren 2008 und 2009 ca. 2050 µg/kg Furan, 2010 stieg der Medianwert auf 2744 µg/kg an. Der Furan-Medianwert von Kaffees, die nicht als Bio gekennzeichnet waren, blieb 2008 und 2010 mit ca. 2800 µg/kg nahezu gleich.
Zusatzstoffe
Glutaminsäure in Fertiggerichten, Trockensuppen und -saucen, Brühen
In einer Pressemitteilung der Badischen Zeitung vom 25.03.2011 heißt es zur Problematik der Verwendung von Geschmacksverstärkern: „‚In‘ ist, wenn es nicht drin ist“. Sowohl in der Gastronomie als auch bei Lebensmitteln aus dem Einzelhandel ist es „in“, die Erzeugnisse „ohne Geschmacksverstärker“ auszuloben. Die Verbrauchererwartung geht sicher dahin, dass Lebensmittel aus biologischer / ökologischer Produktion ohne Mitverwendung von Geschmacksverstärkern hergestellt werden und somit auch keine Glutaminsäure, Guanylate und Inosinate in den Lebensmitteln vorhanden sind. Zum Vergleich wurden Lebensmittel aus konventioneller Erzeugung mit der Auslobung „ohne Geschmacksverstärker“ o.ä. auf ihre Gehalte an Glutaminsäure untersucht.
Der Vergleich der Gehalte an Geschmacksverstärker in Lebensmitteln aus konventioneller Herstellung mit Auslobung „ohne Geschmacksverstärker“ und Lebensmitteln biologisch / ökologischer Herstellung ergab keine signifikanten Unterschiede.
Farbstoffe in Süßwaren
Im Rahmen des Ökomonitoring-Programms wurden 50 Proben gefärbte Süßwaren wie Geleeerzeugnisse, Bonbons, Fruchtgummi, Lutscher und Brauseerzeugnisse im Hinblick auf die verwendeten Farbstoffe bzw. färbenden Lebensmittel untersucht. Keine der untersuchten Proben, weder aus konventioneller noch aus ökologischer Herstellung, war zu beanstanden. Lediglich zwei Proben wiesen Kennzeichnungsmängel auf. Dies bestätigt den Trend, der auch für konventionell hergestellte Süßwaren gilt: weg von synthetischen Farbstoffen und hin zu natürlichen Farbstoffen und färbenden Lebensmitteln.
Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln
Dioxine und dioxinähnliche PCB (dl-PCB) als fettlösliche Umweltkontaminanten reichern sich ganz allgemein im Fettanteil tierischer Lebensmittel an. Zwischen Lebensmitteln aus ökologischer und konventioneller Erzeugung wurden eher geringe Unterschiede in Rückstandsgehalten festgestellt. Das weist auf die allgemeine Umweltkontamination als Ursache für festgestellte Rückstände im Regelfall hin. Die rechtlich festgelegten, sehr niedrigen Höchstmengenregelungen, gelten für Lebensmittel aus konventioneller und ökologischer Erzeugung gleichermaßen.
Im Berichtsjahr 2010 wurden verstärkt Säuglings- und Kleinkindernahrung mit Fleischanteil sowie Geflügel aus ökologischer und zum Vergleich aus konventioneller Erzeugung auf ihre Gehalte an Dioxinen und dioxinähnlichen PCB überprüft.
Die untersuchten 36 Proben Geflügelfleisch wiesen durchschnittlich niedrige Gehalte an Dioxinen (Median: 0,12 pg WHO-PCDD/F-TEQ/g Fett), dl-PCB (Median: 0,20 pg WHO-PCB-TEQ/g Fett) sowie Gesamt-TEQ-Gehalte (Median: 0,34 pg WHO-Gesamt-TEQ/g Fett) auf, die deutlich unterhalb der zulässigen Höchstgehalte sowie festgelegten Auslösewerte liegen. Lediglich eine Probe aus ökologischer Produktion überschritt numerisch den für Dioxine festgelegten Auslösewert, eine weitere Probe aus ökologischer Erzeugung den für dl-PCB festgelegten Auslösewert. Unter Berücksichtigung der statistischen Messunsicherheit sind diese Überschreitungen jedoch nicht zweifelsfrei gesichert. Das untersuchte Geflügelfleisch aus konventioneller Erzeugung wies tendenziell etwas niedrigere mittlere Gehalte an Dioxinen und dl-PCB auf als Proben aus ökologischer Erzeugung. Allerdings ist bei diesem Vergleich zu berücksichtigen, dass deutlich weniger Proben aus ökologischer (9 Proben) als aus konventioneller Erzeugung (27 Proben) zur Untersuchung vorlagen.
In den 46 untersuchten Proben Säuglings- und Kleinkindernahrung wurden grundsätzlich sehr niedrige Gehalte an Dioxinen und dioxinähnlichen PCB bestimmt, unabhängig davon, ob die Erzeugnisse aus ökologischer oder konventioneller Erzeugung stammten. Sämtliche Proben unterschritten deutlich die vorgeschlagenen Höchstgehalte. So liegt der Gehalt in der Probe mit dem höchsten Gesamt-TEQ noch immer um Faktor 4 unterhalb des vorgeschlagenen Höchstgehaltes.
Organische Kontaminanten und Pestizide in Lebensmitteln tierischer Herkunft
Wie die Auswertungen der untersuchten Lebensmittelgruppen tierischer Herkunft zeigen, sind signifikante Unterschiede zwischen ökologisch und konventionell erzeugten Produkten nicht erkennbar. Die Belastung dieser Lebensmittel mit chlor- und bromorganischen Kontaminanten und Pestiziden sowie Nitromoschusverbindungen hat sich in den letzten 20 Jahren insgesamt deutlich reduziert, wobei DDT und PCB sowie teilweise HCB noch die höchsten Konzentrationen aufweisen. Die aktuelle Hintergrundbelastung von Geflügel liegt bei den relevanten und repräsentativen Altpestizidrückständen und Kontaminanten im Mittel unter 5,0 µg/kg Fett. Ein eindeutiger zeitlicher Trend gegenüber Untersuchungsbefunden von 2004/5 ist nicht erkennbar. Lediglich für die PCB-Befunde kann festgestellt werden, dass sie 2010 deutlich niedriger lagen, nachdem sie im Untersuchungszeitraum 2004/5 noch dominierten.
Die Untersuchungsergebnisse von Säuglings- und Kleinkindernahrungsmittel mit Rückständen von persistenten Organochlor-Pestiziden und Umweltkontaminanten sowie Nitromoschusverbindungen zeigen eine nur sehr geringe Belastung, die Gehalte liegen weit unterhalb der für diese Produktgruppe besonders niedrigen Höchstmengen.
Düngung bei pflanzlichen Lebensmitteln
Die Bestimmung der Stickstoffisotopenverteilung in pflanzlichen Lebensmitteln kann Hinweise auf die Art des angewendeten Düngers, synthetisch oder organisch, und damit auf die Anbauart geben. Gemäß den Rechtsvorschriften der EU für den ökologischen Landbau ist für die Produktion ökologischer Lebensmittel nur der Einsatz von Dünger aus organischen Quellen zulässig. Wissenschaftliche Veröffentlichungen zeigen, dass die Stickstoffisotopenverteilung prinzipiell einen wertvollen Hinweis auf die Art des verwendeten Düngers liefert. Die Isotopenwerte von mineralischem und organischem Dünger unterscheiden sich und diese Differenz lässt sich auch in der gedüngten Pflanze nachweisen.
Für die drei Produktgruppen Paprika, Tomaten und Blattsalate wurden während der vergangenen drei Jahre Stickstoffisotopendaten erarbeitet. Unterschiede in den Häufigkeitsverteilungen zwischen ökologischem und konventionellem Anbau sind in allen drei Produktgruppen zu erkennen, allerdings ergeben sich auch Überschneidungsbereiche. Die breite Verteilung für die Stickstoff-Isotopenwerte und die Überschneidung der Werte aus dem biologischen und dem konventionellen Anbau erfordern eine statistische Herangehensweise, die auf einer umfangreichen Datenbasis von Proben mit möglichst gesicherter Angabe zur Anbauart beruhen und ständig erweitert werden soll.
Kosmetische Mittel
An der rechtlichen Situation zur Beurteilung von Naturkosmetik hat sich nichts geändert, d.h. eine verbindliche Definition für „Naturkosmetik” gibt es nach wie vor nicht. Naturkosmetika unterliegen in gleicher Weise wie alle anderen kosmetischen Mittel der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009. Seit Anfang 2010 ist diese Verordnung in Kraft und wird bis 2013 schrittweise gültig. Die Übergangsfrist endet am 11.07.2013, bis dahin gelten noch die bisherigen Regelungen des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches und der Kosmetik-Verordnung.
Die Bewertung von Produktaufmachungen im Hinblick auf Zusammensetzung und eventuelle Irreführung ist daher grundsätzlich eine aufwändige Einzelfallentscheidung. Die Mindestanforderungen an Naturkosmetik, die in den Empfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit aus dem Jahre 1993 und in einer Stellungnahme des Europarates vorliegen, besitzen keinen rechtsverbindlichen Status und sind auch nicht mehr ganz aktuell. Eine Überarbeitung dieser Empfehlungen wurde begonnen.
Neben den bekannten Naturkosmetikherstellern mit den zahlreichen mittlerweile etablierten Labels bieten inzwischen immer mehr Firmen außer ihren konventionellen Produkten auch Naturkosmetika an. Auch viele kleine Seifenhersteller vermarkten ihre Seifen als Naturkosmetik.
Daher haben die CVUAs Freiburg und Karlsruhe in einem weiteren Projekt „Naturkosmetik" im Rahmen des Ökomonitoring-Programms Baden-Württemberg kosmetische Mittel überprüft.
Die Werbung mit der Angabe „ohne Konservierungsstoffe” ist offensichtlich sehr verkaufsfördernd bzw. dem Wunsch der Verbraucher entsprechend. Häufig werden dann Stoffe verwendet, die zwar auch antimikrobielle Eigenschaften haben, rechtlich aber nach der Kosmetik-Verordnung nicht als Konservierungsstoffe eingestuft sind. Verwendet werden hier u.a. Silber und seine Verbindungen, wie z.B. Silberoxid und Silbercitrat.
Seifen der Kleinhersteller werden gern mit unzulässigen Hinweisen wie „100 % natürlich“ und „rein pflanzlich“ „ohne künstliche Konservierungsstoffe“ und „ohne Tierversuche“ beworben, oder die Kennzeichnung der Erzeugnisse ist nicht korrekt.
Insgesamt ist das Ergebnis der Überprüfung der 34 Naturkosmetikprodukte trotz einiger Beanstandungen sehr erfreulich. Bis auf die drei Ausnahmen der Verwendung nicht zugelassener Konservierungsstoffe (Silber und Silberverbindungen) oder für Naturkosmetik nicht zugelassene Konservierungsstoffe (Isothiazolone) gelang es den Naturkosmetikfirmen ganz offensichtlich, durch gezielte Rohstoffauswahl, eine gute Verarbeitungshygiene und den geschickten Einsatz von natürlichen Substanzen mit antimikrobieller Wirkung einwandfreie Produkte herzustellen. Hinsichtlich der Kennzeichnung auffallend sind Seifenprodukte kleinerer Hersteller. So werden allergene Duftstoffe nicht deklariert oder unzulässige Werbeaussagen gemacht.