Ergebnisse der Untersuchung von Bio-Lebensmitteln
Zusammenfassung aus dem Bericht zum Ökomonitoring 2015

Im Jahr 2015 wurden folgende Themenfelder bearbeitet:

  • Gentechnisch veränderte Pflanzen: Untersuchung von Mais- und Sojaerzeugnissen
  • Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und bestimmten Kontaminanten in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs
  • Organische Kontaminanten, Pflanzenschutzmittel und Biozide in Rindfleisch und Säuglingsnahrung
  • Dioxine und dioxinähnliche PCB in Hühnereiern und Rindfleisch
  • Echtheitsüberprüfung bei Frischgemüse auf Grundlage der Düngungsart und Echtheitsprüfung bei Milch, basierend auf der Futtergrundlage des Milchviehs
  • Mykotoxine in Apfelsaft sowie Biotoxine in Getreideprodukten und Tee
  • Konservierungsstoffe in Käse
  • Rückstände von Pestiziden und Bioziden bei Baumwolltextilien sowie gentechnische Veränderungen bei Baumwolle und daraus hergestellten Baumwollgarnen

 

Nachfolgend findet sich eine Zusammenfassung der Ergebnisse 2015:

Gentechnisch veränderte (GV-) Pflanzen [S. 10]

Auch im Berichtsjahr wurden, wie schon in den Vorjahren, gentechnische Veränderungen bei den untersuchten Öko-Lebensmitteln sehr selten nachgewiesen. Wie in den Jahren davor war lediglich Soja betroffen. Sowohl der Anteil positiver Proben an der Gesamtprobenzahl als auch deren Verunreinigungsgrad durch gentechnisch verändertes Soja waren wiederum deutlich geringer als bei konventioneller Ware.

 

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und bestimmten Kontaminanten in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs [S. 11]

Wie in den Vorjahren unterscheidet sich ökologisches Obst und Gemüse sehr deutlich von konventionell erzeugter Ware, sowohl bezüglich der Häufigkeit von Rückstandsbefunden als auch der Rückstandsgehalte chemisch-synthetischer Pestizide. Bei fast 60 % der Proben aus ökologischem Anbau waren keine Rückstände an Pflanzenschutzmitteln nachweisbar. Sofern Rückstände festgestellt wurden, lagen die Gehalte überwiegend im Spurenbereich (kleiner 0,01 mg/kg) und damit deutlich unterhalb der Konzentrationen, die üblicherweise nach Anwendung entsprechender Wirkstoffe im Erntegut festgestellt werden können.

Der mittlere Pestizidrückstandsgehalt in allen untersuchten Obstproben aus ökologischem Anbau lag bei 0,002 mg/kg, wenn alle als ökologisch bezeichneten Proben – auch solche mit irreführender Öko-Kennzeichnung – in die Berechnung einfließen. Er lag bei 0,001 mg/kg, wenn die Berechnung unter Ausschluss der beanstandeten Proben erfolgte, bei denen der Verdacht bestand, dass es sich um konventionelle Ware oder um einen Verschnitt mit konventioneller Ware handelt. Konventionelles Obst enthielt dagegen im Mittel 0,35 mg Pflanzenschutzmittelrückstände pro Kilogramm (ohne Oberflächenbehandlungsmittel, Phosphonsäure und Bromid) und wies somit im Mittel einen zirka 175-fach höheren Gehalt an Pestiziden auf als Öko-Obst. Bei Gemüse aus ökologischem Anbau lag der mittlere Pestizidrückstandsgehalt bei 0,002 mg/kg. Konventionelles Gemüse enthielt dagegen im Mittel 0,49 mg Pflanzenschutzmittelrückstände pro Kilogramm (ohne Bromid) und wies somit im Mittel einen zirka 245-fach höheren Gehalt an Pestiziden auf als Öko-Gemüse.

Im Jahr 2015 wurde lediglich bei einer Probe Öko-Obst (Bananen aus Peru) und einer Probe Öko-Gemüse (Broccoli aus Italien) die Bezeichnung „Öko“ wegen erhöhter Rückstände an Pflanzenschutzmitteln als irreführend beurteilt. Die gültigen Höchstmengen nach Verordnung (EG) Nr. 396/2005 wurden bei allen Proben eingehalten. Die Beanstandungsquote bei allen frischen Öko-Erzeugnissen ist im Jahr 2015 noch weiter gesunken, nämlich auf 1,1 % (im Jahr 2014: 1,3 %; im Jahr 2013: 2,8 %)

Bei verarbeiteten Erzeugnissen aus ökologischem Anbau lag die Beanstandungsquote mit 2,6 % etwas mehr als doppelt so hoch wie bei frischen Erzeugnissen (1,1 %).

Beanstandungen gab es im Jahr 2015 bei 1 Probe Öko-Obsterzeugnisse (Sultaninen aus der Türkei) und 2 Proben Nahrungsergänzungsmittel (Moringa-Blattpulver aus Indien). Bei allen Proben wurde die Angabe „Öko“ als irreführende beanstandet, da diese Erzeugnisse erhöhte Gehalte an nicht im Öko-Landbau zugelassenen Pflanzenschutzmittelrückständen aufwiesen und damit die Vermutung naheliegt, dass bei diesen Produkten die ökorechtlichen Vorgaben nicht eingehalten wurden. In allen 3 Fällen war zusätzlich die gültige Höchstmenge nach der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 für einen oder mehrere Wirkstoffe überschritten.

 

Organische Kontaminanten, Pflanzenschutzmittel und Biozide in Lebensmitteln tierischer Herkunft [S. 8]

Im Rahmen des Ökomonitorings wurden im Jahr 2015 die Lebensmittel Hühnereier und Rindfleisch auf ihre Gehalte an Dioxinen, dioxinähnlichen PCB und Indikator-PCB untersucht. Bei Rindfleisch und Säuglingsnahrung umfasste das Analysenspektrum Pestizidrückstände und weitere organische Kontaminanten. Eine ausführliche Darstellung der Untersuchungsergebnisse findet sich in einem aktuellen Internetbeitrag des CVUA Freiburg.

Echtheitsprüfung

Düngung bei pflanzlichen Lebensmitteln [S. 22]

Zur Überprüfung der Bio-Angabe wurden Tomaten, Paprika und Gurken mithilfe der Stabilisotopenanalytik untersucht. Die Unterscheidung zwischen bio und konventionell erfolgt hierbei anhand der Isotopenverhältnisse des Stickstoffs, die Rückschlüsse auf den verwendeten Dünger erlauben. Der zum Anbau eingesetzte Dünger muss den Vorgaben der EU-Ökoverordnung entsprechen, wonach mineralische Dünger nicht zugelassen sind. Ist das analysierte Isotopenverhältnis typisch für einen mineralischen Dünger, lässt dies auf ein Produkt schließen, das fälschlicherweise als „bio“ deklariert wurde.

Futtergrundlage bei Milch [S. 23]

Im Jahr 2015 wurden im Rahmen des Ökomonitorings 53 Milchproben (40 bio, 13 konventionell) untersucht. Der Differenzierungsansatz beruht dabei auf der Futtergrundlage des Milchviehs. Als geeignete Parameter zur analytischen Untermauerung der Differenzierung von ökologisch und konventionell erzeugter Milch haben sich die Kombination des Kohlenstoff-Stabilisotopenverhältnisses und des α-Linolensäuregehaltes im Milchfett erwiesen. Durch Hinzunahme der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) kann die Differenzierung bestätigt werden. Keine der untersuchten Bio-Milchproben zeigte auffällige Werte.

 

Mykotoxine und Biotoxine

Patulin in Apfelsäften [S. 24]

Die stichprobenartige Untersuchung des Schimmelpilzgiftes Patulin in Apfelsäften wird am CVUA Sigmaringen routinemäßig seit vielen Jahren durchgeführt. Für das Ökomonitoring-Projekt wurden gezielt 28 Proben von Öko-Apfelsäften auf ihre Patulinbelastung überprüft. Der Vergleich mit 56 ebenfalls untersuchten konventionellen Apfelsäften ergab, dass zwar der prozentuale Anteil von Proben, in denen Patulin nachweisbar war, in etwa gleich war, die Patulingehalte in den Öko-Säften jedoch insgesamt deutlich niedriger lagen.

Tropanalkaloide in Getreideprodukten (S. 25)

Bei Tropanalkaloiden (TA) handelt es sich um eine Gruppe von insgesamt mehr als 200 Verbindungen, die von verschiedenen Pflanzenarten als Fraßschutz gebildet werden und die beim Menschen gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen können. In Getreidearten wie Hirse und Buchweizen können TA durch Verunreinigung mit Fremdsaaten, zum Beispiel Samenkörner von Bilsenkraut oder Stechapfel, vorkommen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer Stellungnahme vom November 2013 zu Tropanalkaloidgehalten in Getreideprodukten die von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegte akute Referenzdosis (ARfD) in Höhe von 0,016 µg/kg Körpergewicht bezogen auf die Summe von Atropin und Scopolamin als gesundheitsbezogenen Richtwert bestätigt.

Getreide, insbesondere Hirse und Buchweizen, sowie Erzeugnisse daraus wurden 2015 verstärkt auf Tropanalkaloide untersucht. Hintergrund waren erhöhte Rückstände in hirsehaltigen Babybreien, die im Herbst 2014 zu Rückrufaktionen geführt haben. Bei 63 der insgesamt 65 untersuchten Proben lagen die Gehalte unter der Nachweisgrenze von 0,5 µg/kg. Nur in 2 Proben aus ökologischem Anbau (Buchweizenmehl und Hirsekörner) wurden geringe Gehalte an Tropanalkaloiden unter 5 µg/kg nachgewiesen.

Pyrrolizidinalkaloide in Tee [S. 26]

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die von einer Vielzahl weltweit vor-kommender Pflanzenarten zum Schutz vor Fraßfeinden gebildet werden. Diese Pflanzenarten sind Unkräuter und können unbeabsichtigt in pflanzliche Lebensmittel wie Kräutertee gelangen. Aufgrund ihres gesundheitsschädigenden Potenzials sind insbesondere 1,2-ungesättigte PA in Lebens- und Futtermitteln gesundheitlich bedenklich. Nach der Bewertung des BfR besteht bei längerfristigem Verzehr von Produkten mit hohen PA-Gehalten das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung. Es wurde deshalb empfohlen, dass eine Tageszufuhr von 0,007 µg PA/kg Körpergewicht möglichst nicht überschritten werden sollte.

Untersucht wurden je 16 Kräuterteeproben aus ökologischer und konventioneller Produktion. Berücksichtigt wurden die beiden beliebtesten Monosorten Pfefferminze und Kamille sowie der bei Verdauungsbeschwerden besonders beliebte Fencheltee. Insgesamt schneiden die Öko-Tees hinsichtlich der PA-Gehalte mit im Mittel deutlich niedrigeren Gehalten besser ab als konventionelle Tees. Jedoch wurden in Bio-Fencheltee-Proben PA-Gehalte bis zu 40 µg/kg festgestellt, wohingegen in allen 5 konventionell hergestellten Proben keine PA nachweisbar waren.

 

Konservierungsstoffe in Käse [S. 27]

Bei konventionell hergestelltem gereiftem Käse sind die Konservierungsstoffe Natamycin und Sorbinsäure zur Oberflächenbehandlung der Schnitt- und Hartkäse zugelassen. Sie verhindern dort unerwünschtes mikrobielles Wachstum, zum Beispiel von Hefen und Schimmelpilzen. Die Verwendung von Konservierungsmitteln muss kenntlich gemacht werden. Bei Bio-Käse ist die Verwendung dieser Stoffe verboten. Benzoesäure mit ihren Salzen darf Käse generell nicht zugesetzt werden.

Im Rahmen des Öko-Monitorings 2015 wurden 36 Hartkäse-Proben auf Natamycin und 26 davon zusätzlich auf Sorbin- und Benzoesäure untersucht. Es handelte sich um 23 Öko-Käse und 13 aus konventioneller Herstellung. Erfreulicherweise wurde keiner der untersuchten Hartkäse mit den genannten Stoffen konserviert.

 

Textilien [S. 28]

Im Berichtsjahr wurden in Baden-Württemberg 25 Proben Baumwolltextilien mit Schwerpunkt Babybekleidung auf gentechnisch veränderte Baumwolle und zusammen mit 11 weiteren Proben (insgesamt 36 Proben) auf Rückstände von Pestiziden und Bioziden untersucht.

Erfreulicherweise wurden Pflanzenschutzmittel- und Biozidrückstände nur in geringen Mengen nachgewiesen. Zudem haben Waschversuche gezeigt, dass einige der Biozidrückstände nach nur einer Handwäsche komplett aus den Textilien entfernt waren. In 2 von 18 Proben, die als Bio-Baumwolle deklariert waren, konnte Baumwoll-Erbsubstanz isoliert und auf gentechnische Veränderung überprüft werden. Bei Bio- oder Öko-Textilien wird Gentechnik nicht erwartet. Internationale Standards wie GOTS® schließen die Verarbeitung von GV-Baumwolle aus.